Giro della Regione Friuli 4. Etappe
Endlich! Mein erstes dickes Ding das ich seit der deutschen Meisterschaft 2009 hinbekommen habe!
Die vierte und letzte Etappe des Friulis unterschied sich vom Profil her deutlich von den vorherigen. Manche mögen sagen, dass stimme nicht, doch meiner Meinung nach, war es die einzige richtige, klassische Bergetappe. Wie man unten im Profil erkennen kann, ging es bereits nach 42 Kilometern den ersten Berg hoch. Im Anschluss an diesen, wurde es noch einmal kurz flach, ging danach wellig bis bergig weiter und ging dann, nach einem Tal, noch einmal zwei Anstiege hoch. Bei so einem Profil kommen mir meine Schwarzwaldtouren, bei welchen ich mehrere Berge hintereinander fahre und bis zu 3500 Höhenmeter zurücklege, natürlich enorm zu Gute.
Am Abend zuvor fragten wir uns im Team noch alle, wie es denn sein kann, dass wir in Deutschland mit zu den besten U23 Fahrern gehören und in Italien um das Zeitlimit fahren. Trainieren können wir wirklich nicht mehr!
Als es dann also nach 42 Kilometern los ging, gab es erst einmal direkt am Einstieg in den Berg, den ersten Sturz. Direkt vor mir stürzten 30 Fahrer und durch mein Bremsen, auch noch hinter mir bestimmt zehn… In dem Haufen aus menschlichen Extremitäten, Carbon und Aluminium hing ich fest und kam erst nicht weiter. Als ich nach hinten sah, entdeckte ich, dass ein Lenker in meinem Hinterrad hing und ich mich erst heraus fädeln musste. Da vorne 50 Fahrer munter weiter fuhren, musste ich erst einmal eine kleine Aufholjagd hinlegen um wieder ans Feld zu kommen.

Ich wusste genau, wenn ich über den ersten Berg mit der Spitze fahre, wird alles gut! Meine Regeneration zwischen einzelnen Bergen ist, so glaube ich, einer der Faktoren die mich als Radfahrer besonders machen. In den anschließenden Wellen wurde heftig attackiert und es versuchten sich immer wieder Fahrer zu lösen. Ich war wachsam, ging hier und da mal eine Attacke mit und hielt mich immer ganz vorne auf. Im anschließenden Flachstück, waren wir zuerst nur noch rund 20 Fahrer, von Hinten schlossen jedoch sukzessive abgehängte Fahrer wieder auf.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit 30 Kilometer keine Wasserflasche mehr, da ich am Fuße des ersten Berges bereits eine leer getrunken hatte, und die zweite, in Voraussicht am Gipfel wieder eine gereicht zu bekommen, wegwarf. Leider stand oben keiner und ich blieb trocken… Im Tal dann, wollte ich ans Auto, doch der neutrale Materialwagen wank mich zu sich und gab mir eine Plastik-Wasserflasche mit Schraubverschluss – vermutlich war mein Teamchef gerade weg.
Als es dann den letzten schweren Berg hoch ging, lag ein Hauch von Vorentscheidung in der Luft, da wieder wie wild attackiert wurde, selbst von den besten Bergfahrern und Classementfahrern. Ich hielt mich stets unter den ersten zehn Fahrern und als es über die Kuppe des Berges ging, riss es hinter mir ein bisschen. Ganz vorne, fuhren dann fünf sehr gute „Abfahrer“, welche in der sehr technischen, kurvenreichen Serpentinenabfahrt schnell einen kleinen Vorsprung herausfuhren. Von Philipp Ries schon als „Psycho“ betitelt, musste ich diesem Image in der Abfahrt natürlich alle Ehre machen und schaffte es noch vor dem Ende der Abfahrt, die Gruppe einzuholen.

Wir hatten noch eine Bergwertung und 28 Kilometer bis ins Ziel zurück zu legen. Die Gruppe lief nie richtig gut, was das Abwechseln in der Führung anging. Eigentlich waren wir ständig auf Sichtweite der übriggebliebenen 25 Fahrer. Doch wir schafften es tatsächlich bis in den Zielort und hatten unten am Fuße des letzten, 1000 Meter langen Schlussanstiegs, noch 15 Sekunden Vorsprung. Natürlich wollte nun keiner der Gruppe mehr Führungsarbeit leisten und ein Italiener attackierte. Zwei Fahrer meiner Gruppe sprangen sofort hinterher und als der Italiener eingeholt war, nutzte ich den Schwung aus und setzte sofort eins drüber. Mit einem Vorsprung von etwa 20 Metern, hatte ich noch 800 enorm steile Meter bis zum Ziel zurück zu legen. Ich gab alles was ich hatte, denn die Aussicht hier einen Etappe zu gewinnen war phantastisch. Leider wurde ich recht schnell von dem zuvor schon attackierenden Italiener und auch von einem Franzosen eingeholt. Die anderen drei Fahrer distanzierte ich jedoch immer mehr und fuhr als dritter über den Zielstrich!!!
