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Saisonabschluss Bericht 2011
Nachdem aus dem Karriere-Abschluss Bericht kurzerhand jetzt doch noch „nur“ ein Saison-Abschluss Bericht wurde, bin ich wirklich froh, diesen auch als solchen schreiben zu dürfen! Gerade befinde ich mich in meinem zweiten Teamtrainingslager mit meinem neuen Team Leopard Trek im Robinson Club Cala Serena auf Deutschlands schönster Insel, Mallorca. Schon bei der ersten Erweiterung der Horizonte, Erwartungen und Erfahrungen in Calpe, dachte ich mir es kann nicht mehr viel besser gehen. Glücklicherweise lag ich falsch. Das was ich hier sehe übertrifft auch wieder alles! Angefangen bei den zwei Mercedes Trucks des großen Teams über die neuen Rennmaschinen der Jungs bis hin zum Robinson Club selbst mit seiner Haut-Cuisine, dem Privat Strand und der Wellness Oase… Jetzt aber genug mit der Schwärmerei, es soll ja ums letzte Jahr gehen!
Ich legte den Grundstein für die Saison schon mit der Entscheidung zum Sportzivildienst ab dem 1. Oktober 2010. Dieser ließ mir alle Freiheiten fürdie Gestaltung meines Trainings und meiner Rennen. Deshalb beschloss ich bereits im Dezember nach Mallorca zu fliegen um Radkilometer zu sammeln und bereits 3 Tage später nach Livigno zu fahren um Langlauf und Athletiktraining zu absolvieren. Training und Radsport hatten oberste Priorität und ich begann vermutlich mich zu sehr darin zu verfangen.
Selbstverständlich war ich durch die vielen Stunden Plackerei in sehr guter Form, doch ich nahm mir dadurch auch das wichtigste um Radrennen zu fahren – die Fähigkeit über meine eigene Leistungsfähigkeit hinaus zu gehen, was die Radsportler auch „quälen“ nennen. Das viele Training machte mich langsam und unausgeglichen. Zu meinem ersten Saisonhöhepunkt, dem Nationen Cup Terra Toskana, startete ich zwar mit Top Gewicht und guter Moral, musste jedoch schnell erkennen, dass mir einfach die Fähigkeit auch einmal 120% zu geben, fehlte. Schade, es wäre eine wirklich gute Bühne gewesen um eine Gala Vorstellung zu geben…
Gefrustet von dem Enttäuschen der eigenen und der äußeren Erwartungen tat ich das, was vermutlich eine meiner Schwächen und zugleich vermutlich auch eine meiner Stärken ist. Ich trainierte ohne Pause nach fünf Tagen Rundfahrt unbeirrt weiter mit dem Ziel meinen Körper – der mich so gnadenlos im Stich gelassen hatte – einfach zu ärgern. Nach dem Motto „das hast du jetzt davon“. Gleichzeitig bekam ich von der Firma Bont ein paar wunderschöne Schuhe geschickt, die meine alten Mavic mit – vermutlich – falsch geformter Einlage ablösten. Auf Anhieb fühlte ich mich wesentlich besser auf dem Rad und hatte nicht mehr das Taubheitsgefühl im Fuß und die Schmerzen im äußeren Fußbereich wenn ich länger im Schuh stand. Die „Extrem-Trainingswoche“ endete mit dem Eschborn Frankfurt City Loop, bei welchem ich mit mir selbst richtig zufrieden war. Ich konnte mit den Stärksten am Berg sehr gut mithalten, selbst wenn diese alles gaben.
Zwei Tage später, moralisch wieder hergestellt, reisten wir zum Friuli, einer viertägigen Rundfahrt in Italien, an. Doch an der dritten Etappe bekam ich erneut einen Dämpfer. Die „halbe“ Bergankunft schätzte ich völlig falsch ein, da meine Kilometerangaben über das Ende des Berges mit denen auf meinem Tacho überhaupt nicht übereinstimmten –was ich bis zu Ankunft leider nicht feststellte. Ende vom Lied waren 3 Minuten Rückstand und Platz 70 der Gesamtwertung. Gefrustet stand ich am nächsten Tag zur letzten Etappe am Start und verfiel wieder in diese „das hast du jetzt davon“-Stimmung meinem Körper gegenüber… An diesem Tag fuhr ich dann komischer weise wieder ein sensationelles Rennen bei welchem ich am Ende auf Rang drei wohl jeden um mich herum – mich selbst natürlich eingeschlossen - erstaunt habe.
Mit viel Selbstvertrauen ging es dann zum härtetest in die Pyrenäen. Die Ronde L’Isard ist wirklich eine reine Bergrundfahrt bei welcher es fast ausschließlich auf Leistungsvermögen und ganz wenig nur auf Glück ankommt. Die zweite der drei Etappen überstand ich auf dem 20. die dritte Etappe auf dem 15. Platz. Eigentlich wieder Schade. Ich rechnete mir schon insgeheim einen Platz unter den ersten 10 aus. Platz 15 in der Gesamtwertung ist zwar in Ordnung, entspricht jedoch nicht dem was ich selbst von mir denke, leisten zu können.
Mit dem großen Ziel Europameisterschaft verabschiedete ich mich vorzeitig vom Renngeschehen und ging nach knapp 4000 Rennkilometern Ende Mai in Saisonpause. So richtig angetan von meiner Idee so früh Pause zu machen, war keiner der Trainer um mich herum. Doch ich hielt es für die logische Konsequenz die durch mehrere Fakten wie eine tellerflache Deutsche Meisterschaft, eine mittelschwere Thüringen Rundfahrt, meinen damaligen miserablen körperlichen Zustand und meine minimale Motivation, gestützt wurde. Nach 14 Tagen mit Mallorca Urlaub stieg ich wieder aufs Rad und musste erst einmal wieder richtig einstecken. Beim Hohenheimer Schloßrennen – eigentlich genau mein Kurs – wurde ich dreimal überrundet obwohl ich hier schon vierter wurde und mit den Profis mithalten konnte.
Störte mich jedoch kein bisschen, da ich wusste wann mein Ziel war und was ich bis dahin alles aufbauen kann. In 14 Tagen geht zwar die Spannung aus den Beinen raus, jedoch kann man, um es einfach zu sagen, die Beine wieder neu und auch besser spannen! Mit kleineren jedoch hoch intensiven Rennen und viel hartem Training bereitete ich mich auf die EM vor und hatte plötzlich wieder richtig Spaß am Radfahren. In Offida angekommen war ich einfach nur glücklich dabei zu sein und bereit mein bestes zu geben. Die unkonventionelle Vorbereitung war für mich genau das richtige und ich denke das Ergebnis brauche ich nicht zu erwähnen…
Es kamen zwar noch zwei drei bessere Rennen danach, im großen Ganzen, schaffte ich es jedoch wieder nicht die Erwartungen in mich zu erfüllen. Zu erwähnen bleibt vielleicht noch eine Deutsche Elite Meisterschaft mit Rang 26. (der Rennverlauf, nicht das Ergebnis sind entscheidend für meine Auswahl) oder der Rems Murr Pokal und natürlich die WM in Kopenhagen.
Die Tour de L’Avenir war mein letztes angepeiltes Ziel und bereitete mir seit dem Titel großes Kopfzerbrechen. Ich steigerte mich wieder zu sehr in eine Favoritenrolle und damit verbundenen Leistungsdruck hinein, dass ich erneut völlig den Spaß an der Sache vergaß. Den Fehler den ich zu Beginn der Saison machte, machte ich erneut obwohl ich ihn doch so gut vermieden hatte zu EM. Als dann auf der dritten Etappe sämtliche äußere Einflüsse gegen mich zu sein schienen, Platzte die Bombe. Angefangen bei einem Hungerast am Tag zuvor und dem anschließenden miserablen Abendessen wo ich fast nichts runter bekam über eine sehr schlecht geschlafene Nacht bis hin zu Regen 7 Grad und Sturm mit einem Start direkt am Fuße eines „Drückerberges“ (sehr flach, etwa 4%) kam einfach alles zusammen. Ich war zwar bis Kilometer 90 aussichtsreich im Rennen, doch bei Kilometer 100 nach einem Sturz in einer Kurve wo mir in einer Bodenwelle vor Erschöpfung die Arme weg sackten und der anschließenden Aufholjagd, war ich vollkommen erschöpft. Bei der ersten Zieldurchfahrt stieg ich aus.
Ich dachte viel nach und kam zu dem Entschluss, wieder meinem Bauchgefühl zu folgen und nur noch zu machen was ich Lust hatte. Mit dem sicheren WM Ticket war ich nach wie vor motiviert fürs Training und hatte den Rest der Saison Spaß! Zwar ohne größeres Ergebnis aber das war egal. Beim Highlight WM gab ich mein bestes und bekam durchweg positive Rückmeldung über meine Arbeit.
Auch wenn die Saison ein ziemliches Auf und Ab war, war sie doch überaus lehrreich und ich hoffe dadurch in der kommenden Saison wieder ein Stückchen besser zu werden und näher an die erhoffte Konstanz zu kommen.
Interview
Neulich führte ich ein kurzes Interview mit Bastian König von der Badischen Zeitung. Im Interview reden wir etwas über die Radioshack/Leopard Fusion, mein Rennprogramm und meine Ziele, sowie die aktuelle Situation im deutschen Radsport und die Wichtigkeit von Pressearbeit.
Hier ist der Link für Interessiert!
Saison 2012 Leopard Trek Continental
So, nachdem ich eigentlich schon das Rad an den Nagel gehängt habe und mit meinem Lehramtstudium in Köln angefangen habe, kam doch noch eine interessante Offerte. Auf Empfehlung von Atlas Personal Profi Florian Salzinger, rief Team Koordinator Markus Zingen bei mir an und weckte natürlich sofort mein schon fast eingeschlafenes Radsportlerherz. Jetzt, drei Wochen später, sitze ich in Calpe in Spanien mit zusammen mit den Schlecks, Fabian Cancellara, Robert Wagner uvm. am Abendessen und richtig froh und auch ein bisschen stolz, doch noch diese Chance bekommen zu haben! Es macht momentan einfach richtig Spaß mit dieser Truppe, die elf Fahrer umfasst, die Trainingskilometer im sonnigen Spanien herunter zu spulen.

Ich freue mich riesig auf das nächste Jahr und die anstehenden Rennen und werde meinen Fokus darauf legen, Konstanz in meine Ergebnisse zu bekommen und die Luft im Profi Cirkus vielleicht etwas zu schnuppern. Das Rennprogramm verspricht, sehr schwer aber dadurch gleichzeitig auch herausfordernd zu werden. Wir werden vermutlich sehr früh mit Rennen beginnen, sodass ich schnell auf ein gute Rennhärte zurückgreifen kann und nicht so viel monotones Training absolvieren muss.
Das Team ist mit zwei Italienern, vier Luxembourgern, sowie einem Schweizer, Moldawier, Spanier, Portugiese und mir, sehr international. Ich werde deshalb versuchen, eine weitere Sprache in dem Jahr zu lernen, die ich dann auch anwenden kann. Ich glaube, wir sind auf allen Positionen sehr gut aufgestellt und werden bestimmt den ein oder anderen Sieg nächstes Jahr einfahren können. Wenn ich selbst dazu auch etwas beisteuern könnte, wäre ich sehr glücklich!
Jetzt geht es aber erst einmal weiter mit der Vorbereitung hier in Calpe!
Engagement
So, nachdem die Leser meiner Website lange warten mussten, gibts jetzt News!
http://sport.rtl.lu/cyclissem/news/166749.html
Ich bin fürs nächste Jahr ein kleiner Leopard!
Weltmeisterschaften Kopenhagen
Gestern Abend führten wir drei Badische WM Starter, Philipp Ries, Jascha Sütterlin und ich, noch ein kurzes Interview mit Bastian König von der Badischen Zeitung. In diesem, via skype geführten, Interview gaben wir eine kurze Einschätzung der Lage ab, und ließen etwas in unsere Zukunft blicken.
Hier findet ihr das Interview!
